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Naturschutz
contra Natursportarten Ansatzpunkte für eine Konfliktlösung
mit Beispielen aus der Umweltarbeit des Deutschen Skiverbandes |
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Dr. Ulrike Pröbstl,
Landschaftsarchitektin BDLA |
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Nach dem Skisport, der ja seit langem
schon die "Zielscheibe" der Kritik durchNaturschützer
ist ("Skisport ist Alpenmord"), rückt nun auch die
Verträglichkeit anderer sogenannter Natur- und Trendsportarten
in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Kletterer,
Kanuten, Gleitschirm- und Drachenflieger, aber auch die Mountainbike-Fahrer
werden für Belastungen und Schäden an der Natur verantwortlich
gemacht. Parallel dazu wachsen neue Sportarten wie Pilze aus
dem Boden.
Vor diesem Hintergrund
soll versucht werden, nicht den Anschuldigungen, sondern vielmehr
den möglichen Lösungsansätzen nachzugehen. Mit Hilfe von sechs
Leitbildern sollen die verschiedenen Aspekte, die es bei einer
Vermeidung oder Lösung der Konflikte zu beachten gilt, dargestellt
werden.
Dabei gilt eigentlich
grundsätzlich, dass in der Regel nicht ein Weg, ein Leitbild
zum Ziel führt, sondern zumeist mehrere Aspekte ineinander
greifen müssen.
DamitÑ
die eher abstrakt formulierten Leitbilder verständlich
und nachvollziehbar werden, sind sie mit Beispielen aus der
Praxis unterlegt. Abschliessend wird auch noch kurz auf Themen
hingewiesen, die durch Forschungsarbeiten oder Modellprojekte
wissenschaftlich bearbeitet werden müssen.
Leitbilder zur Konfliktlösung zwischen Naturschutz und Natursportarten
1.
Konzentration und Aufwertung weniger geeigneter Landschaftsteile
2. Beachtung der Nutzungsüberlagungen
3. Ausgleich zwischen konkurrierenden und einander belastenden
Sportarten bzw. Erholungsformen
4. Reduzierung der Verkehrsbelastung
durch den Ausflugsverkehr
5. Förderung der sportbezogenen Umweltbildung
und Umweltinformation
6. Förderung sozialverträglicher Sport-
und Freizeitangebote
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Abbildung 1: Neue Sportarten
in den Alpen (nach SENN, 1995) |
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1.
Leitbild |
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Konzentration
in bestehenden Räumen und Aufwertung bislang weniger geeigneter
Landschaftsteile
Die vom Sport beanspruchten, ökologisch sensiblen Räume
dürfen nicht weiter ausgedehnt werden. Durch Konzentration
einerseits und Aufwertung von Landschaften oder Landschaftsteilen
mit geringerer Erholungseigung andererseits ist diesen Ansprüchen
entgegen zu wirken.
Erläuterung und Beispiele
Auch wenn die Sportarten, ihre Spielarten und die daraus
resultierenden Ansprüche an Natur und Landschaft beständig
zunehmen, darf dies nicht zu Lasten der noch verbliebenen
naturnahen Räume gehen. So kam mit der Einführung des Snowboards
rasch die Frage auf, ob damit nicht neue Ansprüche an die
(nicht vermehrbare) Landschaft einhergehen. Es bestand die
Befürchtung, dass für die Ausübung dieser Sportart neue Pisten
beansprucht werden könnten.
Eine aktuelle Umfrage
belegt, dass diese Trennung weder erforderlich ist, noch von
den Skiläufern oder Snowboardern eindeutig befürwortet bzw.verlangt
würde.
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Abbildung 2:
Das Meinungsbild bei Skifahrern und Snowboardern ist in
der Frage der eigenen Pisten für Snowboarder geteilt.
Die Zahl der Befürworter und der Gegner hält sich die
Waage. Dieses Meinungsbild zeigt, dass die Chance beide
Sportarten auf einer Fläche zu halten relativ gross sind. |
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Ein Ansatzpunkt zur Konfliktlösung
ist daher die Konzentration vieler Menschen auf entsprechend
ausgestatteten, d.h. tragfühigen Flüchen (z.B. Tausende
von Menschen auf einer Skipiste). Jeder, der auf der Skipiste
führt, der mit dem Mountainbike auf den Wegen bleibt, leistet
einen Beitrag zur Vermeidung von Konflikten zwischen Naturschutz
und Sportausübung.
Dazu muß - wie am Beispiel der Snowboarder deutlich wird
- zur Konzentration und verstürkten rüumlichen Bindung
auch an spezielle Einrichtungen (wie die "Halfpipe")
gedacht werden. Sie verhindern z.B. auch den Wunsch nach eigenen
Gebieten für Snowboarder und das Abweichen in die Ruhezonen
der Wildtiere.
Neben den rüumlichen Ansprüchen können durch
neue Sportgerüte auch die zeitliche Beanspuchung und Belastung
von sensiblen Rüumen zunehmen. Mußte ein Wanderer
im Gebirge früher rechtzeitig den Weg ins Tal antreten,
so kann sich ein Mountainbike-Fahrer wesentlich lünger
in den sensiblen Gebieten aufhalten, weil er den Rückweg
in kurzer Zeit bewültigen kann. Für die Wildtiere
resultiert daraus eine weitere Verkürzung ungestörter
Phasen.
Zu den Aufgaben der Forschung gehören daher vor allem das
Erarbeiten von Zonierungsmodellen in besonders empfindlichen
Erholungslandschaften und Konzeptionen zur Aufwertung von Landschaftsteilen,
die verstürkt Erholungsverkehr aufnehmen sollen.
Darüber hinaus muß überlegt werden, ob Belastungen
der Landschaft u.a. auch dadurch vermieden bzw. abgebaut werden
können, daß bislang für Natursportarten nicht
nutzbare, aber sehr belastbare Gebiete, wie Industriebrachen,
Steinbrüche und ühnliches als Trainingsgelünde
etwa für Mountainbiker oder Kletterer entwickelt werden
können. Ein weiteres Beispiel könnte eine Renaturierung
von regulierten, verbauten Flußabschnitten sein, die danach
auch den Sportlern (Kanufahrern) in Teilen zur Verfügung
stehen.
Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, daß auch
durch Verbesserung der Grünstrukturen im Siedlungsraum
eine Entlastung der durch die Natursportarten belasteten Rüume
geleistet werden könnte, muß an dieser Stelle deutlich
widersprochen werden. Untersuchungen bestütigen sogar eher
das Gegenteil, wenn gerade die Bewohner aus gut durchgrünten
Einfamilienhaussiedlungen überdurchschnittlich weit entfernte
Landschaften für die Erholung am Wochenende aufsuchen.
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AGL Arbeitsgruppe für Landnutzungsplanung ·
Institut für ökologische Forschung
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